20.04.2009
Wildunfall - richtig verhalten

Im Jahr 2007 wurden fast 240.000 Wildunfälle bei den Kfz-Versicherern gemeldet. Insgesamt bezahlten die deutschen Autoversicherer rund 490 Millionen Euro für diese Schäden. Leider gibt es bisher keine wirksamen Mittel, die Verkehrsteilnehmer nachhaltig vor diesem Risiko schützen.
Das ergaben Untersuchungen der Unfallforschung der Versicherer. In einer langfristig angelegten Studie wurden verschiedene Methoden zur Vermeidung von Wildunfällen verglichen: Duftbarrieren, optische und akustische Reflektoren, Rückschnitt der Hecken und Sträucher am Straßenrand sowie Wildwechselschilder. Das Ergebnis: Keine diese Maßnahmen trägt wirksam zur Reduzierung von Wildunfällen bei.
Was kann man aber selbst tun, um Wildunfälle zu vermeiden und was ist zu tun, wenn es trotz erhöhter Vorsicht zum Unfall kommt?
Schilder ernst nehmen, Fahrweise anpassen
- Wildunfälle passieren das ganze Jahr über und zu allen Tageszeiten, es ist also immer erhöhte Vorsicht geboten. Besonders häufig kommt es zu "kritischen Begegnungen" zwischen Auto und Wild in der Dämmerung zwischen 17:00 und 00:00 Uhr oder in den frühen Morgenstunden zwischen 5:00 und 8:00 Uhr. Nehmen Sie die Warnschilder in Feld- und Waldgebieten ernst, passen Sie Ihre Fahrweise an und seien Sie bremsbereit.
- Wenn Wild am Straßenrand auftaucht: Fahren Sie langsam und versuchen Sie, die Tiere durch Hupen zu verscheuchen. Blenden Sie nicht mit dem Fernlicht auf: Das grelle Licht verwirrt die Tiere, sie verlieren die Orientierung und laufen oft instinktiv auf die Lichtquelle zu.
Keine Panik: Verhalten am Unfallort
- Ist es zum Unfall gekommen, verständigen Sie sofort die Polizei, die den zuständigen Förster informiert. Nehmen Sie das verletzte oder tote Tier auf keinen Fall im Auto mit.
- Wenn Sie eine Kamera im Auto haben, machen Sie Fotos von der Unfallstelle und dem Tier.
- Lassen Sie sich noch am Unfallort eine so genannte Wildsbescheinigung für die Versicherung ausfüllen, insbesondere dann, wenn das verletzte Tier geflüchtet ist. Die Polizei oder der Förster können den Unfall anhand der Spuren (Blut, Haare an der Stoßstange) bezeugen.
- Informieren Sie so schnell wie möglich die Versicherung über den Wildunfall. Spuren am Auto erst beseitigen, wenn Sie Fotos davon gemacht haben oder ein Gutachter die Schäden gesichtet hat.
Ist der Wildunfall versichert?
Bei Wildunfällen unterscheidet die Versicherung zwei Situationen mit Unfallfolge: a) den Zusammenstoß mit dem Tier und b) Ausweichen vor dem Tier.
a) Zusammenstoß
Grundsätzlich ist in der Teilkasko nur der Zusammenstoß mit so genanntem "Haarwild" (z. B. Reh, Hirsch, Wildschwein) versichert, der Zusammenstoß mit einem großen Vogel hingegen nicht.
b) Ausweichen
Ausweichmanöver vor Wildtieren sind in der Teilkaskoversicherung nicht generell versichert. Die Versicherung zahlt nur, wenn auch das "Nichtausweichen" und eine Kollision dem Tier zu einer ebenso starken Beschädigung des Fahrzeugs geführt hätte. Dies ist in der Regel nur bei einem großen und starken Tier der Fall, beim Aufprall eines Hasen oder Fuchses wahrscheinlich nicht. Kurz: Wer einem kleinen Tier ausweicht und das Auto dabei zu Schrott fährt, bekommt von der Versicherung keinen Ersatz. Hintergrund: Durch das Ausweichen passieren oft schlimmere Unfälle als durch einen Zusammenstoß mit dem Tier, zusätzlich werden andere Verkehrsteilnehmer durch das Ausweichmanöver gefährdet.
So gilt als Faustregel, auch wenn es hart klingt: Bei Kleintieren nicht ausweichen und sich selber nicht ins Lebensgefahr bringen.
Vorteil für Vollkaskoversicherte
Unabhängig davon kann in diesem Falle die Vollkaskoversicherung den entstandenen Schaden regulieren. Sie tritt auch dann ein, wenn es nicht zur Kollision mit dem Tier kommt oder wenn der Fahrer einem kleinen Tier ausweicht. Denn in der Vollkaskoversicherung ist jeder Unfallschaden versichert, auf die Ursache kommt es nicht an. Schäden Dritter, zum Beispiel entgegenkommender Autos, die in den Unfall verwickelt werden, zahlt die Kfz-Haftpflichtversicherung.
Mehr Informationen zum Thema Wildunfälle finden Sie bei der Unfallforschung der Versicherer.
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